Läufigkeit - Normaliät für eine Hündin

Nach meinen Beobachtungen und Berichten aus dem Freundes- und Bekanntenkreis gibt es kein festes Muster für Toller-Hündinnen, ganz besonders nicht hinsichtlich der ersten Läufigkeit. Sie kann im Alter von sechs Monaten auftreten, genauso gut aber erst mit neun, zehn, elf, zwölf Monaten, manchmal sogar noch später. Dann stellt sich meist ein Rhythmus von etwa 8 bis 11 Monaten ein.

Wann wird eine Hündin läufig?

Normalerweise richtet sich eine Hündin stets so ein, dass sie ihre Läufigkeit zu ganz fest eingeplanten Anlässen, wie Ausstellungen, Prüfungen, Urlauben usw. bekommt... Ich weiß nicht, wie die das machen, aber sie schaffen es immer wieder.

Aber alles in allem: Eine Läufigkeit ist eine völlig normale "Angelegenheit" im Leben, die eine Hündin und ihre Menschen auch völlig
entkrampft überstehen. Da auch wir ja unsere Hunde ganz normal mit im Haus resp. der Wohnung haben: Wir haben beste Erfahrungen
gemacht mit einem "heißen Höschen", in das ca. viermal täglich (und ggf. öfter) eine Slipeinlage eingeklebt wird (allerdings nutzen wir die volle Materialbreite und Länge der Slipeinlage - und nicht nur den schmalen Ausschnitt, den der Hersteller "planmäßig" vorsieht), um die Tropfen auf den Fußboden weitestgehend zu vermeiden.

Woran erkennt man, ob die Hündin läufig ist:

  1. Die ersten Anzeichen können viele Wochen vor Beginn der Läufigkeit auftreten, aber auch erst kurz vor Beginn. Diese Anzeichen sind wirklich sehr unterschiedlich. Oft ist das häufige Markieren (urinieren) ein wichtiger Hinweis, dies passiert sozusagen alle paar Schritte, man könnte meinen, die Hündin hätte eine Blasenerkältung.
  2. Eine bis dahin gehorsame oder gar sehr gehorsame Hündin wird plötzlich recht ungehorsam bis stur.
  3. Wenn solche Anzeichen festgestellt werden, sollte man seine Hündin täglich einmal auf den Rücken legen und ihre Vulva (ihr äußeres Geschlechtsorgan) gründlich betrachten: Die Vulva (auch "Schnalle" genannt) ist ein kleiner Wulst im Normalzustand - also bei der nicht läufigen Hündin. Mit Beginn der Läufigkeit beginnt dieser Wulst anzuschwellen, manchmal sofort recht stark, manchmal auch nur gaaaanz allmählich (bei einigen wenigen Hündinnen schwillt sie während der gesamten Läufigkeit fast gar nicht an!). In jedem Fall gilt: Wird die Schnalle dick, hat die Läufigkeit oder deren Vorstadium angefangen.

Der Hundeführer kann die Vulva nun behutsam mit einem Tempotuch oder weißem Küchenkrepp abtupfen, um festzustellen, ob sie leicht färbenden (blassrosa) Ausfluss absondert. Wenn ja, dann hat die Läufigkeit begonnen. Es hilft auch, wenn man die gewohnten Schlafplätze der Hündin mit alten weißen Tüchern abdeckt und dann kontrolliert, ob rosa Flecken bzw. Blutflecken darauf sind. Auch dann sieht man, dass die Läufigkeit begonnen hat.

Doch Vorsicht: Viele Hündinnen sind sehr akkurat und sauber, sie lecken sehr intensiv, wenn sie läufig sind, um nur ja nichts zu beschmutzen. Und so merkt man manchmal erste Anzeichen erst dann, wenn die Läufigkeit schon eine gute Woche im Gange ist, eben weil die Hündin einerseits nicht sehr stark blutet und dann andererseits das wenige Blut auch noch wegputzt.

Eine recht sichere Methode, die Läufigkeit vom Beginn an mitzubekommen, besteht darin, die Hündin ein- bis zweimal täglich auf den Rücken zu legen, die Schnalle mit weißem Tempo oder Krepp abzuwischen und/oder die Vulva mit den Fingern ein wenig (keinesfalls grob sein!!) zusammenzudrücken, um zu sehen, ob sich ein leicht färbender Schleim im so entstandenen "Spalt" bildet. Auch eine nur leicht rosa verfärbte Schleimabsonderung ist als beginnende Läufigkeit zu werten. Eine angeschwollene Schnalle ohne Absonderungen ist ebenfalls Hinweis auf den Läufigkeitsbeginn (diese Erscheinungen und der Ablauf sind individuell sehr sehr unterschiedlich).

Von da an wird der Hundeführer erleben, dass die Schnallte täglich mehr anschwillt, z. T. riesig wird (keine Sorge, sie bildet sich später ganz schnell wieder zu "normaler Größe" zurück).

Deckbereitschaft

Das Blut ist erst etwa eine Woche bis 10 / 12 Tage lang sehr dunkel, wird mengenmäßig u. U. mehr, dann wird es allmählich heller und heller und manchmal gleichzeitig, manchmal kurz darauf geht die Schwellung der Schnalle spürbar zurück, die Schnalle fühlt sich weich an, das Blut weicht einem hellrosa bis weißlichen Ausfluss, und von da an, solange dieser Zustand herrscht, ist die Hündin in der Regel deckbereit, d.h. sie könnte auch gegen den Willen des Hundeführers gedeckt werden und Welpen bekommen! Dieser Zustand kann bestehen von einem Tag bis zu einer Woche, aber auch länger: Es hat schon erfolgreiche Deckakte am 19. oder 20. Tag gegeben!

Vorbeugung unerwünschter Deckakte

Um solche unerwünschten Zwischenfälle zu vermeiden, muss man die Hündin konsequent unter Verschluss halten, und das ab dem 8. Tag der Läufigkeit bis etwa zum 22. Tag. Das bedeutet z.B. auch, die Hündin nicht ohne Aufsicht in den bzw. im Garten zu lassen (nicht eine Minute!). Wenn irgend möglich, die Hündin nicht zur Haustür oder zur Gartenpforte hinausgehen lassen (sonst hat man alle "Freier" aus dem Umkreis als Dauerbelagerung vor der Haus- oder Gartentür). Auch sind Gartenzäune nicht wirkliche Hindernisse für liebestolle Freier und deckbereite Hündinnen. Auch ein Deckakt durch den Zaun hindurch ist mit Leichtigkeit zu bewerkstelligen.

Man muss wissen: Wenn sich Hündin und Rüde im rechten Moment der Läufigkeit begegnen, braucht es nur 5 bis 10 Sekunden, bis "es" passiert ist, und dann kann der Hundeführer NICHTS mehr tun.

Zur allgemeinen Sicherheit empfehle ich ganz dringend, die Hündin von Beginn bis zum Ende der Läufigkeit nur auf einsamen Wegen auszuführen. Am besten mit dem Auto dorthin fahren, und die Hündin schon auf dem Grundstück ins Auto steigen lassen (damit sie keinen Tropfen mit dem "typischen Duft" vor der Gartenpforte verliert und so Rüden anlockt). Und dieses Procedere lieber konsequent die ganzen drei Wochen hindurch plus evtl. einigen zusätzlichen Tagen (so manche Hündin wurde schon nach vermeintlich beendeter Läufigkeit gedeckt und wölfte dann einen gesunden Wurf).

"Es" ist doch passiert?

Achtung, sehr wichtig: Sollte es wider Erwarten doch geschehen, dass ein Rüde trotz aller Aufmerksamkeit die Hündin "besteigt", dann muss man unbedingt die Ruhe bewahren. Keinesfalls darf man den Rüden von der Hündin herunterholen wollen, das geht nicht! Sobald der Rüde mit seinem Penis in die Hündin eingedrungen ist, schwillt der Penis an und die beiden Tiere sind dadurch fest miteinander verbunden. Man nennt es "das Hängen" (englisch: "the tie"). Dieses Hängen kann dauern von wenigen Minuten bis hin zu einer ganzen Stunde. Überwiegend dauert das Hängen zwischen 10 und 30 Minuten! Wenn der Penis abschwillt, geht der Rüde ganz von selbst aus der Hündin heraus. Zudem: Der Samen hat sich bereits in den ersten 5 bis 10 Sekunden ergossen, und egal wie schnell man ist, "es" ist dann schon längst passiert. Wenn versuchen wollte, dieses Hängen gewaltsam zu unterbrechen, würde man Hündin und Rüden schwerste Verletzungen zufügen, die letztendlich zu deren Tod führen können.

Nur zur Abrundung: Bei einem geplanten Deckakt halten erfahrene Züchter und Rüdenbesitzer die beiden Tiere während des Hängens behutsam fest: einer stützt die Hündin unter dem Bauch, damit sie sich nicht hinsetzt, und der andere hält den Rüden neben der Hündin fest, damit das Hängen beendet werden kann.

Da in Deutschland ja immer wieder gern die Gerichte bemüht werden, hier ein entsprechender Hinweis. Schon vor Jahren wurde ein Gerichtsurteil abgedruckt, demzufolge die Verantwortlichkeit in erster Linie beim Besitzer der läufigen Hündin liegt. Im beschrieben Fall hatte der nicht angeleinte Rüde des Herrn X auf einem Spaziergang die läufige, an der Leine ausgeführte Hündin der Frau Y gedeckt. Frau Y ließ ihrer Hündin vom Tierarzt eine *Abtreibungsspritze* geben. Die Kosten dafür wollte sie von Herrn X erstattet haben. Die Versicherung des Herrn X hat darauf akribisch recherchiert und abgelehnt. Es kam zum Prozess, das Gericht entschied zugunsten des Rüdenbesitzers Herrn X. Die dazu abgegebene Begründung lautete in etwa so: Die Verantwortung für die Hündin liegt bei ihrem Besitzer. Wenn Frau Y mit ihrer läufigen Hündin in der Öffentlichkeit spazierengeht, nimmt sie billigend in Kauf, dass es zu einem unerwünschten Deckakt kommt und trägt die Konsequenzen daraus allein. - Ganz sicher ist mit diesem Urteil nicht zu verstehen, dass herumstreunende Rüden, Haus und Gartentor von Besitzern läufiger Hündinnen durchgehend belagern dürfen.

Verhinderung der Trächtigkeit bei fehlgedeckten Hündinnen

Nach der ungewollten Belegung kann die Einnistung des möglicherweise befruchteten Eis durch die Gabe von hohen Östrogendosen verhindert werden. Hierfür wird das Medikament meist am 3., 5. und 7. Tag nach dem Deckakt injiziert. Hierdurch können allerdings die Brunstsymptome andauern, oder die Hündin kann erneut läufig und demzufolge erneut gedeckt werden, wobei dies meist nicht zu einer Befruchtung führen wird. Wegen ihrer Toxizität sollen Östrogene nur bei entsprechender Indikationsstellung verwendet werden. Die Besitzer müssen sich über die Nebenwirkungen und ganz besonders über die Gefahr der Gebärmuttervereiterung (Pyometra) im Klaren sein.

Scheinträchtigkeit:

Die nach ca. 2 Monaten auf die Läufigkeit folgende Scheinträchtigkeit ist gleichfalls Normailtät, weil im Wolfsrudel bei Krankheit oder gar Tod der Wolfsmama die anderen weiblichen, nicht gedeckten Tiere dann als Ammen einspringen können. Das heißt, dass die Ausbildung des Gesäuges bis hin zum Milchfluss und das "Bemuttern" von Plüschtieren und anderem Spielzeug völlig normal sind. - Man passt in dieser Zeit als Hundeführer auf, dass das Gesäuge nicht verhärtet - ein zweimal tägliches Abtasten des Gesäuges ist normalerweise ausreichend, und wenn da etwas hart wird, sofort zum Tierarzt (da gibt's dann Salbe, z.B. Stopcanilact), am Wochenende zum tierärztlichen Bereitschaftsdienst. Wenn da ein bisschen Milch aus den Zitzen kommt, ist das kein Anlass zu Sorgen,

Läufigkeitsunterdrückung

Ansprechpartner ist allein der Tierarzt! Die am häufigsten angewendete Methode sind Injektionen von Progestagenpräparaten. Die Injektionen und deren Abstände legt der Tierarzt fest. Die Erfolgsrate liegt bei ca. 98%.

Nebenwirkungen

Am gefürchtetsten ist die Induktion von Krankheiten der Gebärmutter, insbesondere von Vereiterungen (Pyometra, über diese Erkrankung muss sich jeder Hündinnenbesitzer belesen!). Dieses Risiko wird durch die Wahl des korrekten Zeitpunktes der Injektion minimiert. Weiterhin können auftreten: Gesteigerter Appetit, Trägheit, Vergrößerung des Gesäuges und Milchfluss, Fellveränderungen, gutartige Knötchen im Gesäuge. Die Injektion von Progestagenpräparaten kann lokale Fellverfärbung und Fellverlust hervorrufen.

Zusammenfassung:

Eine gesunde Hündin "übersteht" eine Läufigkeit völlig problemos. Unsere Beryll und alle anderen Hündinnen aus dem Bekanntenkreis sind vor, während und nach der Läufigkeit durchweg bei ihren Menschen, dürfen weiterhin spielen, toben, baden, es wird mit ihnen geübt, trainiert und gearbeitet usw. - Weil: Das alles gehört zum Leben einer Hündin einfach mit hinzu, ist Normalität.

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